Öffnungszeiten Gründonnerstag

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Das Trachten-Informationszentrum ist am

Donnerstag, 18. April 2019 

aus organisatorischen Gründen geschlossen.

Am Donnerstag, 25. April 2019 sind wir wieder für Sie da

Kabinettstück im April

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Osmanisches Reich, zweite Hälfte 19. Jahrhundert, Tuch, Posamenten

Das Kabinettstück im März war eine taubenblaue Jacke aus Oberbayern um 1830.

Dieses tomatenrote Objekt stammt aus dem Osmanischen Reich. Beide Rückansichten ziert im Nacken und Taillenbereich eine fast identische Verzierung mit wunderbaren Posamenten. Dahinter steht ein kultureller Brückenschlag der Mode aus Orient und Okzident: Die kunstvoll ausgeschmückten Gewänder der osmanisch geprägten Moden in Osteuropa, die sich unter anderem in der Uniformmode niederschlugen, faszinierten seit Jahrhunderten auch die Menschen im deutschsprachigen Kulturkreis. So nimmt es kein Wunder, dass Anfang des 19. Jahrhunderts die exotisch anmutenden Dolmane von Adel, Militär und  Bürgertum in Deutschlands kopiert wurden.

Dass türkische Gewänder über den Balkan, Ungarn und den slawischen Raum schlussendlich bayerische Trachten inspirieren, ist eine bemerkenswerte Tatsache. Vielleicht ist ja die unschuldige Freude an zunächst fremden Farben und Formen ein Wesensmerkmal der Tracht …

Kabinettstück im März

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

(Foto: Dirk Tacke)

Jacke, Oberbayern, um 1830, Tuch, Posamenten

Männerjacken, die vorne und hinten  mit verschlungenen Posamenten verziert sind, finden sich im ländlichen Oberbayern relativ häufig. Sie wurden „Schaike“ oder „Husarenjacke“ genannt und waren zwischen 1830 und 1890 sehr beliebt. Diese taubenblaue Joppe stammt aus dem Rupertiwinkel und wurde einst von einem Müller getragen. Typisch für die biedermeierliche Mode sind der hohe Kragen, die geschwungenen Nahtlinien und die leicht gereihten Ärmel.

Die Auflösung, wie bayerische Bauern und Handwerker zu den phantasievollen Mustern auf ihren Jacken kamen, zeigt sich am ersten April, wenn das nächste Kabinettstück erscheint.

"Farben und Formen für die Trachtengöttin"

Veröffentlicht: | Stichworte: Veranstaltungen

Foto: Daniel Breidt

Tracht tragen. Und dann den Augenschein sprechen und leuchten lassen.

 

Trachtengöttin.
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit IHNEN und treten Ihre persönliche Reise zum Entdecken Ihrer Trachtengöttin an.

Wir wollen Frauen, die sich dem Kulturphänomen Tracht verbunden fühlen, ein erweitertes Gefühl für Wirkung, Farben und Formen vermitteln. Ein kreativer Prozess, den wir mit Mut und Offenheit beschreiten wollen, zum Entdecken des Handlungsspielraumes.
Wir laden Sie ein zu Ihrer ganz persönlichen inneren Reise und unterstützen Sie dabei Ihren individuellen Ausdruck zu finden. Lassen Sie uns gemeinsam Ihr unverwechselbares Göttinnenbild entdecken. Kunstwerke von Kleidungsstücken aufspüren, welche Ihr Inneres widerspiegeln und Sie mit Anderen teilen wollen. Daraus kann viel Freude und Leichtigkeit im Spiel mit Kleidung und Accessoires erwachsen.

Der unikale Sammlungsbestand des Trachten-Informationszentrums (TIZ) mit rund 10.000 Kleidungsstücken und Accessoires bietet einen unermesslichen Schatz an Beispielen für die historische Kleidungskultur. Auf dieser Grundlage zusammen mit seiner Kompetenz ist das TIZ der ideale Standort für eine lebendige Weiterentwicklung und Schulung Kompetenz für Ausdruck, Farbe und Form.

Referentin: Susanne Kovar

Ort: Trachten-Informationszentrum

Termine:

Workshop

Freitag, 11.10.2019, 17:00 h - ca. 19:30 h

und

Samstag, 12.10.2019 von 8:30 h - 18:00 h

Kursgebühr: 190 EUR incl. Mittagessen

Ansprechpartnerin:

Elfriede Schäffler, Tel. 08857 888-33,

Mail: elfriede.schaeffler@bezirk-oberbayern.de

 

Gerne senden wir Ihnen die Anmeldeunterlagen.

Mail: info@trachten-kontor.de

 

Adresse:

Trachten-Informationszentrum

Bezirk Oberbayern

Elfriede Schäffler

Michael-Ötschmann-Weg 2

83671 Benediktbeuern

 

Impulsvorträge im Rahmen des Textilmarktes in Benediktbeuern

Samstag,  21.9.2019, jeweils 11:00 und 15:00 Uhr

Sonntag,  22.9.2019, jeweils 11:00 und 15:00 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

Federkielstickerei

Veröffentlicht: | Stichworte: Veranstaltungen

Workshop Federkielstickerei

Das Handwerk des Federkielstickens entsteht in Bayern Ende des                          18. Jahrhunderts und erlebt seine Blüte in den ersten zwei Dritteln des 19. Jahrhunderts. Die Kunst mit gespaltenen Federkielen der Schwanzfedern des Pfaus auf Leder zu sticken gehört zu den anspruchsvollsten Verzierungstechniken im Trachtenbereich.

(Foto Daniel Breidt)

Tracht hat Tradition; wir wollen den Reichtum dieser Tradition mit Ihnen teilen.

 

Inhalt Workshop:
Zeichnen, Grundtechniken, Zurichten der Federn, verschiedene Sticktechniken, Punzieren

Werkstück:  Ledergürtel mit Schließe

Referentin: Katharina Stuefer, Federkielsticker-Meisterin

Ort: Trachten-Informationszentrum

Termine:

Freitag, 4. Oktober 2019, 17:00 – ca. 19.30 h

Samstag, 5. Oktober 2019, 8:30 – 18:00 h

Sonntag, 6. Oktober 2019, 8:30 – 16:30 h

Samstag, 9. November 2019, 8:30 – 18:00 h

Sonntag, 10. November 2019, 8:30 – 16:30 h

Samstag, 16. November 2019, 8:30 – 18:00 h

Sonntag,  17. November 2019, 8:30 – 16:30 h

 

Teilnehmergebühr: 270,00 EUR

Die Materialkosten werden direkt mit der Referentin abgerechnet.

 

Ansprechpartnerin:

Elfriede Schäffler, Tel. 08857 888-33,

Mail: elfriede.schaeffler@bezirk-oberbayern.de

 

Gerne senden wir Ihnen Ihre Anmeldeunterlagen.

Mail: info@trachten-kontor.de

Übernachtungsmöglichkeiten: z.B. Gästehaus Kloster Benediktbeuern, Gästehaus Eberle Benediktbeuern, Hotel Friedenseiche Benediktbeuern, Landhotel Reindlschmiede Bad Heilbrunn

Adresse:

Trachten-Informationszentrum

Bezirk Oberbayern

Elfriede Schäffler

Michael-Ötschmann-Weg 2

83671 Benediktbeuern

 

 

 

 

Kabinettstück im Februar

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(Foto: A. Karl-Holeczek)
Ein Paar Strumpfbänder, datiert 1828, Seidenband, eingewebte Gummischnüre, Spitze, goldene Schließen, Türkise (Sammlung TIZ)

Gravur auf den Schließen:

Mon esperance est áu delá - Joindre ou mourir 1828
(Mein Hoffen ist jenseitig - Verbunden sein oder sterben 1828)

Die beiden Strumpfbänder aus dem Jahr 1828 gehören sicher zu den intimsten und feinsten Kabinettstücken unserer Sammlung im Trachten-Informationszentrum. Sie sind ein kostbares Liebespräsent mit Worten so voller Poesie, daß unsere Phantasie noch 191 Jahre später beim Sinnen über diese Zeilen blühen kann…

Kabinettstück im Januar

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Florschließe, Dachauer Land, um 1870, teilvergoldetes Silberfiligran, Glassteine, Posamenten, Flor (Sammlung TIZ)

Prachtentfaltung bei und auf dem Hof - Könige und Bauern liebten gleichermaßen überbordenden, prunkvollen und vor Bedeutsamkeit strotzenden Schmuck. Es galt seinen Reichtum zu zeigen und öffentlichkeitswirksam der neuesten Mode zu folgen. Gold und Edelsteine konnten sich zwar selbst reiche bäuerliche Menschen in der Regel nicht leisten, Silber und Glassteine dafür sehr wohl.

Paradestücke des opulenten bäuerlichen Halsschmucks sind die Florschließen, die bis etwa 1890 zur sogenannten Dachauer Tracht  gehörten. Eigentlich waren sie an einem schwarzen Florband angenäht, das doppelt um den Hals geschlungen und vorne mit der zweiteiligen Schließe verbunden wurde. Teilweise waren sie aber so groß, daß sie links und rechts offen herabhingen, weil sie zwischen Halsgrube und Kinn nicht genug Platz hatten. Die modischen Vorbilder der Schließen finden sich bereits Mitte des 18. Jahrhunderts in der bürgerlichen Mode. Hergestellt wurden die Schließen vor allem in Schwäbisch Gmünd, einem Zentrum für Schmuck und religiösen Zierrat aus Silberfiligran.

Kabinettstück im Dezember

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

Fatschenkind, Weihegabe als Opfer oder Dank für einen (un)erfüllten Kinderwunsch, 18. Jahrhundert, Wachs (Sammlung TIZ)

 

„…und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe…“ (Lukas 2,7)

Im Lukasevangelium wird die erste textile Bekleidung eines Neugeborenen vor über 2000 Jahren beschrieben. Sie besteht aus Tüchern und einem Band, der sogenannten Fatsche. Die vielen Jesukindlein, die in der Weihnachtszeit und speziell am Heiligen Abend ausgestellt werden, tragen so gesehen eine traditionelle Babytracht. Der Brauch, neugeborene Kinder ein halbes bis ganzes Jahr mit angelegten Ärmchen fest einzubinden, ist seit der Antike belegt und allen semitischen Kulturen zu eigen. Jean-Jaques Rosseau betont bereits 1762 in seinem Emile, wie wichtig es für die Kinder sei, daß sie ihre Glieder frei bewegen könnten. Doch bis Anfang des 20. Jahrhunderts beharren auch in Oberbayern viele Mütter auf dem tradierten Einfatschen. Als Grund für diese Sitte wird oft angegeben, daß die Glieder und Knochen durch den stützenden Halt gerade wachsen würden. Wir wissen heute darum, wie wenig plausibel diese Erklärung ist.  Vielmehr können psychologische Deutungen einen Hinweis liefern: Kleinstkinder werden bis weit in das 19. Jahrhundert nicht als gänzlich menschliche Wesen betrachtet. Bandagiert wie eine Mumie verbleiben die Neuankömmlinge gleichsam noch in einem vorgeburtlichen Zustand und durchlaufen ein Übergangsritual. Was uns heute so fremd erscheint, findet sich anschaulich noch zur Weihnachtszeit als gewickeltes Jesuskind in der Krippe oder eben als Fatschenkindl.

 

Kabinettstück im November

Veröffentlicht: | Stichworte: Sammlung

„Einwohnerwehr-Lied“, Liedblatt im Verlag der Einwohnerwehr Chiemgau, 1920 (Sammlung TIZ)

Eine wirklich handfeste Verbindung von Gebirgstracht und Deutschtümelei manifestiert sich vor der Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten: Im Mai 1919 beschloss die Regierung des Freistaates Bayern die landesweite Organisation von Einwohnerwehren, die sich unter anderem aus den ehemaligen paramilitärischen Freicorps rekrutierten. Sie präsentieren sich auf allen historischen Fotografien mehrheitlich in Gebirgstracht. Die Einwohnerwehr Chiemgau verlegte 1920 ein Einwohnerwehr-Lied, dessen Text revanchistischer nicht sein könnte. Den Umschlag des Liedblattes mit Klavier und Singstimme ziert ein stämmiger Bursche in Gebirgstracht, den Hintergrund geben Bauersleute auf ihrer frisch umgebrochenen Ackerscholle. Gestützt auf das Mauser-Gewehr Modell 98 trotzt er kühnen Blicks den Gefahren undeutscher Machenschaften.

Hinter der Maske von Patriotismus und Traditionsliebe ist die ideologische oder politische Vereinnahmung von Tracht oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So zeigt auch der Text im Liedblatt unmißverständlich, daß die Tracht auf dem Deckblatt manches Mal nur den schönen Schein wahrt:

„Warum heiß ich deutsch, ist so kriegerisch mein Sinn, … weil treu ich vollführt, was Notwehr gegen Feindeslist hat diktiert …“ „er betet zu Gott … und wirket und werkt sich sein neues Kleid …“

Der Existenz der Einwohnerwehren war im Übrigen nur eine kurze Dauer beschert, denn schon im Juni 1921 wurden sie wieder aufgelöst.

 

Kabinettstück im Oktober

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Lithographie, um 1825, altkoloriert

„Kirchweih-Tanz in der Umgegend von Tegernsee“

Aus der Sammlung Bayerischer National-Costüme von Felix Joseph von Lipowsky

erschienen „Bey I.M. Hermann in München“

(Sammlung TIZ)

Die drei Musikanten spielen in einer Besetzung mit zwei Clarinetten aus Bux- oder Birnbaumholz und einer Geige. Die Figuren deuten auf einen Landlertanz mit typischen Elementen des Schuhplattlers hin. Dazu gehören das Schlagen auf die Oberschenkel, das Fingerschnalzen, das Wegdrehen von der Tänzerin und das Drehen des Dirndls um die eigene Achse.

Die Musikanten tragen bürgerliche Kleidung. Während der Geiger noch die einreihige, lang geschnittene Weste des ausgehenden 18. Jahrhunderts trägt, zeigt sich einer der Bläser mit einer modischen Neuheit des Biedermeier – der Schirmmütze.

Die Mieder der Tänzerinnen sind hoch tailliert, ihre Kleidung besteht aus: Hemd, Mieder, Miederärmel, Rock, Schürze (Fürtuch), Halstuch und dem Hut. Der Hutschmuck besteht aus Seidenbändern mit Schnallen, Goldschnüren mit Quasten und Blumen.

Die Kellnerin trägt dagegen die sogenannte Pech- oder Schwazerhaube, eine typische Kopfbedeckung in der Gegend von Tölz und Miesbach. Am Gürtel die Kellnerinnentasche serviert Sie das dunkle Bier in irdenen Krügen mit Zinndeckeln. Gegessen wird – wie neben dem sitzenden Pärchen zu erkennen - Brot, bzw. Semmeln.

Die Tänzer haben ein gemeinsames Accessoire: Breite Ledergürtel mit Schnalle, die mit gespaltenen Pfauenfederkielen ausgestickt sind. Neben den Männern in kurzen Lederhosen ist ein Tänzer in langen Lederhosen mit Stiefeln abgebildet. Westen und Halsflor tragen alle, die Stopselhüte sind mit Blumen und Birkhahnfedern geschmückt.

Ein Zuschauer, der am Rand des Tanzbodens steht, ist in seiner roten Weste mit bortenbesetztem Halsauschnitt, der einfachen Joppe und dem flachen Hut auffällig anders gekleidet. Er stammt aus Tirol und gehört wohl zu den vielen Holzknechten, die in Bayern um 1830 gearbeitet haben.

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